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Interviews Part II: Vom guten Fragen & Unterbrechen

November 14, 2017 | Natalie Frei | Methods & Tools, SDC Experiences |

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Nach dem Vorgespräch fängt die Arbeit erst richtig an. Wie muss ich fragen, um die gewünschten Antworten zu erhalten? Wie steige ich ein und wie unterbreche ich? Dieser Blog behandelt das Vorgehen beim eigentlichen Interview.

Hansjörg Enz

 

Mit einer Balkonfrage einsteigen

Ein guter Einstieg kann gelingen mit einer sogenannten Balkonfrage. Sie beginnt mit einer informativen Einleitung, Beispiel „Policy Demokratisierung“: „Angela Muster, ein Ziel der Schweizer Entwicklungshilfe ist es, Ländern zu helfen, lokale Verwaltungen aufzubauen, ihnen Verantwortung zu geben, allgemein: die Länder „demokratischer“ zu machen. Jetzt gibt sich die DEZA für diese Arbeit neue Leitlinien, eine neue Policy. Spätestens jetzt muss eine Frage folgen.

Wie wär’s damit: „Was bedeutet die neue Policy für die Institution und welche Leitlinie gibt sie uns?“. Nicht sehr spannend, und vor allem verleitet sie die Interviewte dazu, lange zu erzählen. Effekt: Der Zuschauer zappt weg. Wie wär’s mit diesen Fragen:

„Was ist denn wirklich neu an der neuen Policy?“

„Warum eine neue Policy, war die bisherige nicht erfolgreich (oder salopper: ein Flop?)“

Oder salopper mit einer Suggestivfrage: „Dass sie jetzt eine neue Policy brauchen, zeigt, dass ihre Arbeit gescheitert ist“.

Bei allen diesen Fragen ist klar: Die Interviewte kann nur kompetent wirken, wenn sie die Frage kennt und eine kurze knappe Antwort vorbereitet hat – also unbedingt ein Vorgespräch führen!

 

Die Balkonfrage kann ein eleganter Einstieg ins Interview sein. Credit: Pixabay

Die Balkonfrage kann ein eleganter Einstieg ins Interview sein. Credit: Pixabay

Was bedeuten DDLG, WKL und Backstopping?

Gefilmte Interviews schauen ZuschauerInnen nur einmal, sie müssen also auf Anhieb folgen können. Das bedeutet: einfache gesprochene Sprache, keine Abkürzungen, kein Fachchinesisch. Einfach zu reden fällt vielen Experten schwer, denn die Probleme sind ja oft sehr komplex. Setzen Sie die Latte nicht zu hoch. Wenn die KollegInnen sagen: „So falsch war es nicht, wie du’s erklärt hast“, und der Zuschauer denkt: „Jetzt habe ich etwas Interessantes erfahren, jetzt verstehe ich das besser“, so ist das Ziel erreicht.

Die Sprache sollte einfach und verständlich sein. Bei Verwirrung klicken die ZuschauerInnen weg. Credit: Pixabay

Die Sprache sollte einfach und verständlich sein. Bei Verwirrung klicken die ZuschauerInnen weg. Credit: Pixabay

 

Langredner unterbrechen

  • In gut vorbereiteten Experten-Interviews sollte es keine langen Antworten geben. Was machen InterviewerInnen, wenn es trotzdem passiert:Mit Handmikrophon arbeiten. InterviewerInnen können dem Langredner dann zeigen, dass sie zu Wort kommen wollen. Sie deuten an, dass sie das Mikrophon wegziehen werden.
  • Mit einer stoppenden Handbewegung zeigen, dass man zu Wort kommen will.
  • Stichwort aufnehmen. „…und da gibt es natürlich auch Fälle von Korruption“ – reinspringen – „Korruption, da möchte ich nachhaken….
  • Reissverschluss-Technik „ … und da gibt es natürlich auch Fälle von Korruption“ – reinspringen und Satz weiterführen „denen Sie natürlich nachgehen müssen, haben Sie dazu auch die Mittel?“

 

 

Meist reichen auch dezentere Handgesten aus, um zu unterbrechen. Credit: Kremlin

Meist reichen auch dezentere Handgesten aus, um zu unterbrechen. Credit: Kremlin

 

Interview einfach nachbearbeiten

Im Normalfall arbeiten DEZA-Interviewerinnen mit nur einer Kamera. Das schafft ein Problem: Die ZuschauerInnen sind sich gewohnt, immer die redende Person zu sehen. Dazu müssen die Kameraleute vom einen zum andern Interviewpartner schwenken. Das schaffen nur geübte Profis. In DEZA-Videos behilft man sich damit, dass die Fragen auf Schrifttafeln eingeblendet werden. Es gibt eine attraktivere Lösung: Die Fragen gleich nach dem Interview im gleichen Raum, in der Position des Interviews nachdrehen, Kamera auf dem Interviewer. Dieses Rohmaterial lässt sich mit einem einfachen Schnitt-Programm wie iMovie (für Mac) mit etwas Übung rasch zusammenschneiden.

Wenn Sie mehr wissen möchten

Diese Themen behandelte der Workshop „Interview“ am 5. September 2017 bei der DEZA in Bern. Das Skript dazu können Sie hier herunterladen oder lesen Sie Multimedia Storytelling inside SDC – A Practical Guide.

Der Trainer, Hansjörg Enz, arbeitete als Journalist u.a. für Radio aktuell, SRF Tagesschau und als Journalistenausbildner an der ZHAW und für die Deutsche Welle Akademie in Ländern wie Kongo, Burundi, Kamerun.

 

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