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Interviews Part I: Kein Interview ohne Vorgespräch

November 07, 2017 | Natalie Frei | Methods & Tools, SDC Experiences |

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Rating: 4.7 out of 5

IMG_3667Besser ein Videointerview als ein hundertseitiger Bericht. Aber die Aufmerksamkeitsspanne ist auch bei Videos eher kurz, deshalb müssen sie gut geplant und durchdacht sein, damit die Zuschauer nicht wegklicken. Eines der wichtigsten Instrumente für ein gelungenes Interview ist das Vorgespräch.

Hansjörg Enz

 

Die DEZA hat’s erkannt: Gefilmte Interviews sind ein gutes Mittel um kurzweilig zu informieren. Ein Projektleiter erzählt von einem spannenden Hilfsprojekt im Südsudan, ein Mitglied des Direktoriums erklärt Mitarbeitenden eine neue Policy. Das sieht dann so aus: Stummfilm, 2 Personen begrüssen sich freundlich. Es folgt eine Schrifttafel. Dann die Interviewerin: „Danke, dass Sie hier sind, wir würden gerne etwas mehr hören über die neue Policy zu DDLG, was bedeutet sie für die Institution und welche Leitlinie gibt sie uns?“ Die Interviewte: „Ich danke auch für die Gelegenheit, einige Worte zu sagen zum aufdatierten Policy-Paper der DDLG…“ Es folgt eine Antwort von über 40 Sekunden.

Animiert Sie dieser Einstieg?

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Wenn der Einstieg nicht klar oder langweilig ist, klicken die ZuschauerInnen weg. Credit: Pixabay

 

Der Einstieg ist entscheidend

Wollen Sie als ZuschauerIn sehen, wie sich die InterviewpartnerInnen begrüssen und bedanken? Wohl kaum. Sie möchten wissen: Wer redet mit wem? Worum geht’s genau? Warum soll mich das interessieren? Dann erwarten Sie eine spannende Einstiegsfrage gefolgt von einem Ping-Pong von Fragen und Antworten. Solche Interviews erfordern minutiöse Vorarbeit.

 

Das Interview als künstliches Gespräch

Interviews über Themen wie „Neue Policy“ sind keine Spontan-Interviews, wie SportreporterInnen sie machen, wenn sie den Goalie, der soeben vom Spielfeld kommt, fragen: „Yann Sommer, wie fühlt man sich, wenn man im entscheidenden Spiel zwei haltbare Tore kassiert hat?“ Es sind auch keine sogenannten „harten“ Interviews, wo die Journalistin den Politiker fragt, warum er für seine portugiesische Reinigungskraft keine AHV zahlt. Ein Interview zur Policy ist ein sogenanntes Experten-Interview. Solche Interviews sind im Journalismus tägliches Brot. Dazu befragen JournalistInnen externe ExpertenInnen, oft auch Spezialisten der eigenen Redaktion, etwa zur Frage: „Was würde passieren, wenn die Eidgenössischen Räte die Gelder für die Entwicklungshilfe massiv kürzten?“

 

Video-Interviews sind meist inhaltlich und technisch genau vorbereitet.

Video-Interviews sind meist inhaltlich und technisch genau vorbereitet. Credit: Flickr

 

Vom Vorgespräch zum Interview

Der Vorteil, wenn Sie Mitarbeitende befragen ist, dass Sie die Interviews genauer planen können. Beim Vorgespräch diskutieren Sie:

  • Was sind die wichtigen Fragen?
  • Wer ist die Zielgruppe und was soll bei den ZuschauerInnen ankommen?
  • Was müssen wir erklären, damit sie den Inhalt verstehen?
  • Welche Fragen möchte die Person, die Interviewt wird, nicht beantworten?
  • Welche Themen tauchen im Gespräch auf, die sie im Interview gerne vertiefen würden?

 

Sie legen dann Fragen und Antworten fest, schreiben sie allenfalls sogar aus und üben das Interview, bis es „spontan“ wirkt. Das gelingt auch Profis nur, wenn die Fragen kurz und klar sind und die Interviewten in der Materie sattelfest sind. Nur dann können sie auch in einfacher Sprache antworten. Für ein solches Experten-Interview von 3 bis 4 Minuten rechnen Profis mit 3-4 Stunden Vorbereitungszeit, sagt Philipp Burckhardt, Leiter des Bundeshaus-Studios DRS.

 

Generell gilt: Je besser man vorbereitet ist, desto lockerer wird das Interview.

Generell gilt: Je besser man vorbereitet ist, desto lockerer wird das Interview. Credit: Pixabay

 

Interview in der Umgangssprache üben

Wie komme ich zu einfachen Antworten in einfacher Sprache? Ganz einfach: Formulieren Sie die Antwort mündlich. Wenn Sie sie dann ohne Stocken mehrmals wiederholen können, sogar jeweils in etwas andern Worten, sind Sie am Ziel. Diese Antwort schreiben Sie dann auf oder notieren Stichworte dazu, immer auch mit Verben. Es lohnt sich, die erste Antwort auswendig zu lernen, ein guter Start gibt Sicherheit fürs ganze Interview.

 

 

Wenn Sie mehr wissen möchten

Diese Themen behandelte der Workshop „Interview“ am 5. September 2017 bei der DEZA in Bern. Das Skript dazu können Sie hier herunterladen . Oder lesen Sie Multimedia Storytelling inside SDC – A Practical Guide.

 

Der Trainer, Hansjörg Enz, arbeitete als Journalist u.a. für Radio aktuell, SRF Tagesschau und als Journalistenausbildner an der ZHAW und für die Deutsche Welle Akademie in Ländern wie Kongo, Burundi, Kamerun.

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